Wenn eine Feuerwehr mit dem Alarmstichwort B4 Gewerbebrand alarmiert wird, dann ist in der Regel von einem ausgedehnten Brandereignis mit erhöhtem Gefahrenpotential für Einsatzkräfte und betroffene Personen auszugehen. Ein solcher Einsatz erfordert das strukturierte Zusammenarbeiten mehrerer Einheiten sowie eine darauf abgestimmte Führungsorganisation an der Einsatzstelle.
Vor genau dieser Situation standen die vier Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Neukirchen-Vluyn sowie die Leitung der Feuerwehr am Vormittag des 21.03.2026. Auch wenn es sich in diesem Fall um eine Übung handelte, konnten und mussten die Einsatzkräfte ihr Können wie bei einem echten Einsatz unter Beweis stellen.
Das Ausbilderteam der Feuerwehr Neukirchen-Vluyn ließ um 10:29 Uhr zu einem ausgedehnten Gewerbebrand bei der im Ortskern Vluyn ansässigen Firma Paradies alarmieren. Von ihren jeweiligen Standorten fuhren die Fahrzeuge mit Blaulicht und Einsatzhorn die Einsatzstelle an.
Nach einer ersten Erkundung ergab sich für den Einsatzleiter das folgende Szenario:
Ein Kellerbrand wurde über längere Zeit nicht bemerkt und breitete sich im zugehörigen Bürogebäude aus. Hierdurch waren eine unbekannte Anzahl an Mitarbeitenden im nun verrauchten Gebäude vermisst.
Gleichzeitig kam es auf ungeklärte Weise zu einer Rauchausbreitung in eine angrenzende Produktionshalle, in der ebenfalls Personen vermisst waren.
Um diese unterschiedlichen Einsatzschwerpunkte zeitgleich zu bedienen, wurden durch den Einsatzleiter zwei Abschnitte gebildet. Innerhalb dieser Abschnitte arbeiteten jeweils verschiedene Einheiten der Feuerwehr Neukirchen-Vluyn zusammen: der Löschzug Vluyn und die Löschgruppe Rayen wurden für das betroffene Bürogebäude eingesetzt, während der Löschzug Neukirchen und die Löschgruppe Niep sich um die Produktionshalle kümmerten.
Am Bürogebäude wurde durch den Abschnittsleiter unverzüglich der Innenangriff mit mehreren Trupps zur Menschenrettung eingeleitet. Parallel wurden erste Personen, welche sich bereits auf ein Vordach retten konnten, über eine Steckleiter gerettet. Im weiteren Verlauf gestaltete sich das Erreichen der verschiedenen Geschosse des Gebäudes schwierig, weshalb beispielsweise ein alternativer Zugang in den Keller über einen Innenhof erschlossen werden musste. Dort wurde dann die Brandbekämpfung durchgeführt.
Zur Menschenrettung in den oberen Geschossen wurde zwischenzeitlich unterstützend die Drehleiter eingesetzt, welche Einsatzkräften einen leichten Zugang über offenstehende Fenster ermöglichte.
Auch im zweiten Einsatzabschnitt wurden durch den dortigen Abschnittsleiter mehrere Trupps mit der Personsuche und -rettung beauftragt. Im Verlauf des Einsatzes konnten durch die vorgehenden Einsatzkräfte mehrere Personen aus den betroffenen Bereichen der Produktionshalle gerettet werden.
Aufgrund der großen Räumlichen Ausdehnung der Halle mussten auch die vorgehenden Trupps sich untereinander abstimmen und ein vorsichtiges, aber gezieltes Vorgehen, unter Beweis stellen.
Das gesamte Übungsgeschehen wurde vom Ausbilderteam kritisch beobachtet. Im Anschluss fand eine Manöverkritik durch die Ausbilder statt und die Einsatzkräfte konnten sich auch untereinander nachbesprechen und austauschen. Gerade im Falle von nicht alltäglichen Einsatzlagen ist eine regelmäßige und realistische Übung umso wichtiger.
Wir danken der Firma Paradies für die Ermöglichung und Unterstützung bei dieser Großübung sowie für die anschließende Verpflegung in der Firmenkantine.








